Im Blick: Frühjahr 2018 II

Die zweite Runde der Frühjahsvorschauen: Wer mir in den sozialen Medien folgt, hat mich schon ein-, zwei-, ja, dreimal darauf hinweisen sehen: Fernando Aramaburus Roman „Patria“ (Rowohlt, bereits erschienen) ist zusammen mit Jaume Cabrés neustem Werk das Buch ersten Halbjahrs für mich und Grund genug, das so lange geplante Special über das Baskenland, baskische Literatur und die Darstellung der ETA in der Literatur zu launchen. Ebenfalls bei Rowohlt erscheint „Das rote Notizbuch“ von Paul Auster (27. März), ein über zwanzig Jahre altes Buch, das neu aufgelegt wird und vor allem (aber nicht nur) für Autoren und Auster-Fans ein wahres Juwel ist. Auch der Piper Verlag hat zwei spannende Romane in petto: In „Ein anderes Brooklyn“ erzählt Jacqueline Woodson (1. März) vom Brooklyn der siebziger Jahre, während Florian Wackers „Stromland“ (Berlin, 1. März) mich nicht nur interessiert, weil der Autor und ich einige biografische Überschneidungen haben, sondern auch, weil er uns nach Peru bringt.

Droschl veröffentlicht ebenfalls ein Buch, das ganz nach meinem (und eurem!) Geschmack klingt: Andrea Scrima entführt die Leser in „Wie viele Tage“ (9. Februar) ins New York und Berlin der achtziger und neunziger Jahre. Ebenfalls aus den USA stammt der neu übersetzte „Midnight Cowboy“ (Aufbau, 15. Juni) aus der Feder von James Leo Herlihy, der in der Nachkriegszeit in den Gossen New Yorks unterwegs ist. 1969 wurde der Roman übrigens mit Dustin Hoffman und Jon Voight in den Hauptrollen verfilmt – den Oscar für den besten Film gab’s obendrein. Auch der norwegische Autor Lars Saabye Christensen begibt sich in die Vergangenheit: Ein Künstlerpaar zieht in „Magnet“ (btb, 12. März) in den siebziger Jahren von Oslo nach San Francisco auf der Suche nach einem epischen Leben. Und in die fünfziger Jahre nach Kairo geht es mit Waguih Ghali und seinem „Snooker in Kairo“ (C.H. Beck, 15. März). Dieser Roman wird vom Verlag mit den allzeit beliebten Vergleichstiteln „Fänger im Roggen“ und „Great Gatsby“ beworben. Ich persönlich muss zugeben: Bei mir zieht das jedes Mal aufs Neue.

Den vollen Zeitgeist trifft Bettina Wilpert mit „nichts, was uns passiert“ (Verbrecher Verlag, 21. Februar). In ihrem Debütroman thematisiert sie die Frage, wie Vergewaltigung und einvernehmlicher Sex zu definieren sind und welche Konsequenzen es hat, wenn Aussage gegen Aussage stehen. Einem anderen Thema, aber einem nicht minder eindringlichen, widmet sich Jesmyn Ward mit „Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt“ (Kunstmann, 14. Februar). Ihr mehrfach ausgezeichneter und von der Kritik gefeierter Roman dreht sich um Rassismus in Mississippi. Zur Abwechslung ein heiteres Buch veröffentlicht Stefan Lehnberg im Klett-Cotta Verlag: Goethe und Schiller müssen in „Die Affäre Carambol“ (10. März) nach Frankfurt, um ihren zweiten Fall zu ermitteln. Während der erste Band dieser Reihe wenig Beachtung fand, könnte es dieser schaffen. Und zu guter Letzt ein Sachbuch: „High Notes“ von Gay Talese (Tempo, 14. März) sammelt die wichtigsten Reportagen dieses Vertreters des New Journalism.

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Ein Gedanke zu “Im Blick: Frühjahr 2018 II

  1. Huhu!

    Von Paul Auster habe ich seit „Mr. Vertigo“ nichts mehr gelesen, und das ist nun wirklich schon ewig her… Eigentlich habe ich schon ewig vor, das endlich mal zu ändern..

    Ansonsten habe ich mir vor allem „Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt“ vorgenommen.

    LG,
    Mikka

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