LitBlog Convention: Vea Kaiser über ihre Karriere

Eine tiefe Wolkendecke hängt über dem Verlagshaus Bastei Lübbe in Köln, als am 4. Juni nach und nach fröhlich schnatternde Literaturblogger eintreffen. Elf Monate haben Planung und Vorbereitung für die erste LitBlog Convention gedauert, verraten die Mitarbeiterinnen von KiWi, DuMont, Bastei Lübbe und Egmont in ihrer Eröffnungsrede. Nachdem alle Bloggerinnen und Blogger – wobei die männlichen Teilnehmer quasi an einer Hand abgezählt werden können – mit großzügig bestückten Goodie-Bags versorgt sind und brav ihre Namensschilder ausgefüllt haben, geht es zu der ersten Veranstaltung.

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Mein Weg führt mich zu der österreichischen Autorin Vea Kaiser, die mit ihren 27 Jahren bereits zwei Romane bei Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht hat. Der Titel dieser Session, „Vea Kaiser erzählt, was sie zum Schreiben brachte – obwohl sie das eigentlich nie wollte!“, ist irreführend (um nicht zu sagen falsch), denn im Gespräch mit KiWi-Urgestein Reinhold Joppich verrät Kaiser, dass sie schon im Alter von sechs Jahren den Traum hatte, Schriftstellerin zu werden. In breitem österreichischen Dialekt erzählt sie Anekdoten aus ihrem Leben und kokettiert geschickt mit ihrer Selbstironie. Als gebürtige St Pöltnerin habe sie nie viel Gelegenheit gehabt, sich zu unterhalten: „Ich habe, bis ich 12 war, nicht mit fremden Menschen geredet, ich muss einiges nachholen!“, scherzt Vea Kaiser und plaudert munter weiter.

In ihrer Kindheit verfasste Kaiser zunächst Horrorstorys über einen fiesen Achillessehnenschlitzer, bis sie mit dreizehn in einem regionalen Wettbewerb ihre erste Kurzgeschichte einreichte. Die war, wie es sich für eine Teenagerin gehört, hochdramatisch und handelte von Alkohol- und Drogenkonsum. Ihr pubertärer Ideenreichtum blieb nicht ohne Folgen: „Plötzlich stand das St. Pöltner Jugendamt vor unserer Tür!“ Diese unerwartete Reaktion bestätigten Vea Kaiser darin, weiter am Ball zu bleiben. Wenige Jahre später war auch die Ur-Idee für ihren ersten Roman, 2012 unter dem Titel „Blasmusikpop“ bei KiWi veröffentlicht, geboren. „Ein Racheroman über mein Dorf“, habe sie geplant. Nach dem Studium von Altgriechisch (was sie, wie auch Latein, eigenen Angaben zufolge fließend spricht) und Germanistik an der Universität Wien führten ihre Wege sie zunächst nach Hildesheim, um dort Kreatives Schreiben zu studieren. Es war ein Kulturschock für die Österreicherin: „Wir reden nur in falschen Konjunktiven wie zum Beispiel, ‚Würden Sie mir sagen, wie ich zum Bahnhof käme‘ und plötzlich hörte ich nur noch Imperative.“ Da sie außerdem nicht gerne kritisiert werde, habe sie wieder abgebrochen, so Kaiser. Trotzdem war sie jetzt mit dem Literaturbetrieb in Deutschland vertraut.

19jährig nahm Vea Kaiser schließlich am open mike teil, was die Weichen für ihre weitere Karriere stellte. Sie entschied sich, bei einer jungen Literaturagentin, die sie beim open mike kennenlernte und die wie sie am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn stand, unter Vertrag zu kommen. Und so landete sie schließlich bei Kiepenheuer & Witsch. „Wir haben gezittert, bis wir den Zuschlag bekamen“, verrät Joppich, der, so gibt er zu, ungern mit Literaturagenten zusammenarbeitete. Vea Kaiser nimmt’s gelassen und rät, eine Literaturagentur in Wien zu gründen – diese Form der Autorenvermittlung ist Österreich noch gänzlich unbekannt. Dabei sei es so leicht, man müsse die Autoren „einfach nur aus den Kaffeehäusern pflücken.“

Nach weiteren Anekdoten geht es an das Ende der Veranstaltung. Für die hat sich Vea Kaiser ein Quiz ausgedacht: Sie verlost mehrere Ausgaben ihrer beiden Romane und stellt abwechselnd Fragen zu Österreich („Blasmusikpop“) und Griechenland („Makarionissi“): In welchem Bundesland liegt St. Pölten. Betretenes Schweigen. Ein paar raten – es ist Niederösterreich. Wie heißt der aktuelle Bundeskanzler Österreichs? Noch betreteneres Schweigen. Der Name war doch erst vor wenigen Wochen in der Presse. Ein, zwei Stimmen: Christian Kern. Wer schrieb die Antigone? Das weiß jetzt wirklich nur noch eine Person: Sophokles. Und nachdem keiner die leiseste Ahnung hat, wann Sokrates verstorben ist (399 vor Christus), springt Reinhold Joppich ein: Wann wurde Griechenland Europameister? Endlich eine Frage, die ich auch beantworten kann. Vielen Dank für „Makarionissi“!

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2 Gedanken zu “LitBlog Convention: Vea Kaiser über ihre Karriere

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