Kurz&schmerzlos: Marie Malcovati über „Nach allem, was ich beinahe für dich getan hätte“

© Christian Trieloff, © Edition Nautilus
© Christian Trieloff, © Edition Nautilus

Marie Malcovati wurde 1982 geboren und studierte Filmwissenschaften an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Sie übersetzt aus dem Französischen und Englischen, arbeitet als Drehbuchautorin für den SWR und veröffentlichte bereits mehrere Erzählungen, unter anderem in „Schön zu hören. Satzschippen aus dem Radio“ (weissbooks, 2010). „Nach allem, was ich beinahe für dich getan hätte“ (Nautilus, 2016) ist ihr erster Roman, der für den neugegründeten Bloggerdebütpreis nominiert wurde. Marie Malcovati lebt in Freiburg.

Zur Rezension
Marie Malcovati bei Wetterleuchten

Die Handlung des Romans beschränkt sich ausschließlich auf den Basler Bahnhof. Wie kamst du auf die Idee, deine Figuren in einem abgeschlossenen Raum agieren zu lassen?

Das habe ich aus reiner Verzweiflung beschlossen. Ich war so überwältigt von den unendlichen Möglichkeiten, die man hat, wenn man nicht (wie beim Drehbuch) an Genre, Produktionsbedingungen, Fördergelder etc. denken muss, dass ich gar nicht wusste, woran ich mich festhalten soll. Also habe ich mir selbst einen Rahmen geschaffen, in dem nicht alles möglich ist.

Deine drei Protagonisten sind der Wirklichkeit entrückt, sie haben keine nennenswerten Bindungen, leben entfremdet von ihren Familien. Was reizt dich an diesen Figuren am Rande der Gesellschaft?

Dadurch, dass sie nicht dazu gehören, können sie besser beobachten. Aber sie mischen sich auch nicht ein, beziehungsweise zögern zu lange, bis sie merken, dass sie die Welt etwas angeht. Ich weiß nicht, inwiefern das jetzt ein modernes Phänomen ist, aber ich kenne viele Leute, die immer unterwegs sind, sich nicht festlegen wollen, bis sie es irgendwann auch gar nicht mehr können. Ich nehme mich selbst da nicht aus, ich hatte auch eine lange Phase, in der ich dauernd die Stadt oder auch das Land gewechselt habe und die Vorstellung, auch nur ein einziges Möbelstück zu besitzen, entsetzlich fand.

Wie baust du deine Geschichten auf? Entwickelst du den Plot bereits vorher oder schreibst du „einfach drauf los“?

Die Figuren muss ich schon irgendwie flüchtig kennen, bevor ich anfange. Aber meistens entwickeln sie dann beim Schreiben eine eigene Dynamik und zerstören alles, was ich mit ihnen vorhatte.

Wie, mit was und wo schreibst du am liebsten?

Am liebsten schreibe ich am frühen Morgen. Aber nur, wenn ich davor genug Schlaf hatte und das ist manchmal nicht so einfach mit einem kleinen Kind. Der Ort ist eigentlich egal, aber am produktivsten bin ich, wenn es ruhig ist und das W-Lan nicht funktioniert.

Ein Blick in die Zukunft: Magst du verraten, ob du bereits an einem weiteren Roman arbeitest und wenn ja, wovon er handelt?

So richtig angefangen zu schreiben habe ich noch nicht, aber ich habe begonnen, an etwas Neuem herumzubasteln. Es geht um Eltern und Kinder im weitesten Sinn. Aber auch um alles Mögliche andere. Mehr kann ich leider noch nicht sagen.

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