Rundgang bei Ullstein

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Zu Besuch bei Ullstein! Am 02. Februar wurden zwölf Blogger, neben mir lustauflesen.de, Klappentexterin, Buzzaldrins Bücher, lust zu lesen, masuko13, Frank O. Rudkoffsky, Buchrevier, Fräulein Julia, Muromez, Schnitzel & Schminke und hello mrs eve nach Berlin eingeladen. Grund dafür war die Vorstellung des neuen Imprints Ullstein fünf und eine Lesung von Ada Dorian, die mit ihrem Debütroman „Betrunkene Bäume“ der Spitzentitel des ersten Programms von Ullstein fünf ist.

Der Verlag hat sich, wie ausführlich auf Wikipedia nachzulesen ist, in der Vergangenheit nicht immer mit Ruhm bekleckert. Als im Jahr 2003 Teile der Ullstein-Gruppe vom Medienkonzern Bonnier (u.a. Piper, Berlin Verlag, Carlsen) aufgekauft wurden und Viktor Niemann die Leitung übernahm, änderten Ullstein und seine Imprints – jetzt unter dem Namen Ullstein Buchverlage – ihre Ausrichtung und ließen die rechtskonservative Vergangenheit hinter sich. Ein Zeichen dieses Aufbruchs war auch der Umzug 2004 von München nach Berlin, wo Ullstein 1877 von Leopold Ullstein, damals noch als Zeitungsverlag, gegründet worden war. Seitdem residiert der Verlag in einer ehemaligen Jungenschule (der ersten Berlins, wie das Team erklärt), die vom britischen Architekten David Chipperfield umgebaut und aufgestockt wurde.

Die Ullsteiner führen durch die verschiedenen Abteilungen, darunter Lizenzen, Marketing, Vertrieb, Lektorat und Presse, außerdem wird kurz die Arbeit von NetGalley erläutert, eine Art vorablesen.de für E-Books aus unterschiedlichen Verlagen, und das Chefbüro von Verlegerin Siv Bublitz samt Ausblick über Berlin gezeigt. Dabei erfahren die Blogger, dass rund hundert Mitarbeiter bei den Ullstein Buchverlagen angestellt sind – davon vierzehn Belletristik- und zwölf Sachbuchlektoren – und dass die „cash cow“ schlechthin nach wie vor Giulia Enders ist. „Darm mit Charme“ wurde in 39 Territorien verkauft und ist in Deutschland inzwischen in der 52. Auflage im Handel. Stolz ist man hier außerdem auf den im Jahre 2014 gestarteten Blog Resonanzboden, der rund 1.000 Klicks die Woche verzeichnet und auf dem Beiträge von Ullstein-Autoren jenseits ihrer Romane gepostet werden. Zu den aktuellsten Posts gehört die Vorstellung von Ullstein fünf und ein Porträt über Ada Dorian.

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Achtung, Zahlen: Ullstein fünf wird konzipiert von sechs Mitarbeitern, die vier Romane pro Halbjahr, also acht im Jahr, herausbringen. Ullstein fünf ist ein Hardcover-Programm, spezialisiert auf deutschsprachige Gegenwartsliteratur. In der Eigenbeschreibung heißt es: „[Die] Texte bewegen sich an Grenzen bekannter Genres und können zwischen Belletristik und Sachbuch angesiedelt sein.“ Als „autorenzentriertes Programm“ bezeichnet das Team das neue Imprint, die Autoren werden also stärker in alle Prozesse eingebunden als in Verlagen sonst üblich ist. Zu den weiteren Besonderheiten gehört, dass alle Abteilungen die Manuskripte lesen und in vielen Sitzungen gemeinsam über die Titel entscheiden. Ab Sommer ändert sich das allerdings, denn dann wird Ullstein fünf vom Status eines Projektes enthoben und als klassisches Imprint in die Ullstein Buchverlage eingebunden. Dass im ersten Programm die Romane von vier jungen Schriftstellern veröffentlicht werden, soll übrigens nicht richtungsweisend sein: Eine der Autorinnen im Herbstprogramm ist bereits jenseits der siebzig.

Bei dem Rundgang durch das Verlagshaus kommen die Ullsteiner immer wieder auf Ada Dorian und ihre „Betrunkene[n] Bäume“ zu sprechen, schließlich findet im Anschluss die Lesung mit ihr statt. „Ich habe nur 261 E-Mails in ihrem Ordner, das ist sehr untypisch“, sagt Dorians Lektorin Ulrike von Stenglin mit einem Schmunzeln, als sie ihr Büro präsentiert. Schon vor der Teilnahme Ada Dorians am Ingeborg-Bachmann-Preis vergangenes Jahr war sich das Team darüber einig, dass ihr Roman Spitzentitel werden solle. Das zeigt auch die selbstbewusste Startauflage von 10.000 (wobei nicht wenige davon Leseexemplare sind). Vor der Veröffentlichung am 24. Februar wurden die Übersetzungsrechte nach Bulgarien verkauft, außerdem erscheint bei Hörbuch Hamburg, ebenfalls Teil der Bonnier-Gruppe, das Hörbuch. „Ada hat sich sehr darüber gefreut“, verrät von Stenglin, „ihre Großmutter kann nämlich nicht mehr gut sehen und so ihr Buch wenigstens hören.“

Einen wunderbaren Rückblick gibt’s auch bei Frank O. Rudkoffsky.

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2 Gedanken zu “Rundgang bei Ullstein

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