Not (Yet) In Translation: Harkaitz Cano, Megan Bradbury & Miqui Otero

Lang, lang ist’s her, seit ich mir wünschte, Rowan Hisayo Buchanan, Daniel Saldaña París und Tim Murphy mögen ihren Weg auf den deutschen Buchmarkt finden. Noch sieht es nicht danach aus – aber wie wäre es mit diesen drei Kandidaten?

Harkaitz Cano – Twist

Susa, 2011 (Baskisches Original), Seix Barral, 2013 (Spanische Übersetzung), 432 Seiten
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Soeben bei der Recherche entdeckt: „Twist“, der großartige Roman von Harkaitz Cano, erscheint im Oktober auf Englisch! Sektkorken! Ob er es dadurch doch noch nach Deutschland schafft…?
Ihr erfahrt jetzt einen Schwenk aus meiner Vergangenheit: In meiner Magisterarbeit habe ich mich mit der Darstellung der ETA in spanischer und baskischer Literatur beschäftigt. Dadurch stieß ich auf Harkaitz Cano, dem wohl wichtigsten (und besten! Ich bin Fan!) baskischsprachigen Schriftsteller. Die Ausgangssituation von „Twist“, für den Cano 2012 den baskischen Premio Euskadi de Literatura verliehen bekam, beruht auf einer wahren Begebenheit: In den 1980er Jahren wurde von der spanischen Regierung die GAL (mehr dazu hier) ins Leben gerufen, die unter Terrorismusverdacht stehende Basken entführte und ermordete. Die ersten beiden Opfer der GAL, zwei Männer Anfang zwanzig, fiktionalisiert Cano in seinem Roman und gibt ihnen einen dritten Freund: Diego, inzwischen in den Vierzigern, kämpft wegen dem Tod seiner Freunde Soto und Zeberio noch heute mit Schuldgefühlen. In „Twist“ geht es aber nicht nur um Terrorismus, sondern um vieles mehr: Freundschaft, Liebe, Sex, Verrat, Tod, Musik, Kunst und Literatur. Zu viele Themen für einen Roman? Nein, nicht für (meine Kreation) den baskischen Jonathan Franzen. „Twist“ ist ein großartiger Gesellschaftsroman, der die ETA zwar behandelt, aber anders als Canos literarische Vorgänger dabei nicht monothematisch bleibt, sondern ein breit gefächertes Spektrum der baskischen, spanischen und, wenn man so will, europäischen Gegenwart bietet.

Anders als die anderen Bücher, die ich in meiner Abschlussarbeit seziert habe, würde ich „Twist“ auch immer wieder lesen. Große Empfehlung!
(Und Verlage, die ihr „Twist“ ins Auge fasst: Ich melde mich hiermit als Lektorin!)

Megan Bradbury – Everyone is Watching

Picador, 2016, 288 Seiten
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Ah! New York City! Walt Whitman! Robert Mapplethorpe! Edmund White! Und Robert Moses, den ich bisher nicht kannte, der aber laut Wikipedia einen enormen Einfluss auf New York hatte. Anhand der Leben dieser vier Männer, die sowohl das Stadtbild als auch das Image New Yorks in den vergangenen hundert Jahren formten, erzählt Bradbury in zusammenhängenden Short Stories die Geschichte ihrer Wahlheimat und erhielt dafür von Kritikern und Schriftstellern nahezu hymnische Besprechungen. Als „Love letter to New York and its people – past, present and future“ preist der Verlag „Everyone is Watching“ an. Klingt toll!

Miqui Otero – Rayos

Blackie Books, 2016, 328 Seiten
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Zurück nach Europa, zurück zu den abtrünnigen Regionen Spaniens: Der große Barcelona-Roman wurde vor anderthalb Jahren von dem sympathischen Indie-Verlag Blackie Books veröffentlicht. Geschrieben (auf Spanisch!) hat ihn der barcelonesische Autor und Journalist Miqui Otero. Und lieben tut ihn ganz Barcelona und sogar ganz Spanien. Alles beginnt, als sich Protagonist Fidel aus Versehen aussperrt, während die Eltern im Urlaub sind. Fidel nimmt das mit seinen Mitte zwanzig zum Anlass, endlich auszuziehen, und schlurft im Schlafanzug durch Barcelona zu der WG seiner Freunde. Klar, dieser „Barcelona-Roman“ unterscheidet sich nicht groß vom klassischen Berlin-Roman: Junge Menschen, die orientierungslos durchs Leben und betrunken durch die Stadt taumeln. Schon zu oft gelesen? Ja, vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. „Rayos“ besticht durch die klare Sprache, den feinen Humor und das schöne Porträt Barcelonas, das hier gezeichnet wird – und nicht zuletzt durch das auffällige Cover.

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