Fernando Aramburu/Baskische Literatur: Glossar

In anderthalb Wochen erscheint „Patria“ von Fernando Aramburu. Der Autor hat den Roman zwar auf Spanisch verfasst, lässt aber viele baskische Begriffe einfließen. Und der Rowohlt Verlag lässt diese wohlweislich auch im Deutschen unübersetzt, was die Narrative kompakter und authentischer macht, den deutschen Leser aber vor die ein oder andere Herausforderung stellt.

Aus diesem Anlass habe ich ein kleines Glossar erstellt, das im Laufe der nächsten Tage noch erweitert wird.

Abertzale „Patriot“, Überbegriff für alle baskisch-separatistischen Bewegungen, auch gemäßigtere als die ETA selbst; manchmal auch izquierda abertzale (zweisprachig: „linker Patriot“)
Ama „Mutter“
Aita „Vater“, der Plural bedeutet „Eltern“
Aitona „Enkelin“
Alde hemendik, herriak ez du barkatuko „Haut ab, das Volk wird nicht verzeihen“
Amona „Großmutter“
Aministia osoa „Vollständige Amnestie“
Aurresku baskischer Tanz

Barkatu „Entschuldigung“
Batzoki Parteisitz der PNV; laut Wikipedia gibt es rund zweihundert batzokis
Bekarri „Ohr“
Beltza wörtlich „schwarz“, hier: Einheit der baskischen Polizei Ertzaintza, die schwarze Uniformen trägt
Bertsolari wenn man so will: Poetry Slam mit langer Tradition
Bietan jarrai „Auf beiden Wegen“, also mit Verstand und Kraft, Motto der ETA, deren Logo eine Axt und eine Schlange zeigt

Calle Juan de Bilbao Straße in der Altstadt von Donostia/San Sebastián, die auch als die „Straße der abertzale“ bezeichnet werden kann; hier finden pro-ETA-Demos statt, sind die Graffitis entsprechend, in den Kneipen wird Baskisch geredet

Dispersiorik ez „keine Verteilung“, hier muss ich ein wenig raten, ich bin mir aber recht sicher, dass dies gegen die Praxis (der Zermürbung) seitens des spanischen Staates geht, abertzale Gefangene so weit entfernt wie möglich vom Baskenland zu inhaftieren, im Roman ist das Andalusien, auch Nordfrankreich oder die Kanarischen Inseln sind denkbar

Egin „machen“, baskische Zeitung, 1998 geschlossen und durch die Zeitung Gara („wir sind“) ersetzt
Ekintza „Aktion“
Ertzaintza baskische Polizei, besteht seit 1982
Euskadi Baskenland, das die drei Provinzen Gipuzkoa, Bizkaia und Araba umfasst
Euskal Herria Groß-Baskenland, das neben Euskadi auch Navarra und die drei Provinzen des französischen Baskenlands, Lapurdi, Behe Nafarroa und Zuberoa, bezeichnet
Euskaldun „Person, die Euskera spricht“ bzw. „Baskischsprechender“, dabei wird gerne unterschieden zwischen „euskaldun zahar“, der „alte Baskischsprechende“, der Euskera als Muttersprache hat, und „euskaldun berri“, der „neue Baskischsprechende“, der das Euskera erlernt hat; da es für „Basken“ es auf Euskera kein Wort gibt, verwendet man dieses, mitunter zusammen mit dem Zusatz „herritar“, also „baskischer Bürger“
Euskera Bezeichnung für die baskische Sprache, seltener auch Euskara
Eusko Gudariak „baskische Soldaten“, Hymne von 1932, die in der abertzale sehr populär ist; Auszug: „Wir sind baskische Soldaten/um Euskadi zu befreien/Wir sind bereit/dafür unser Blut zu geben“
ETA siehe ausführlichen Artikel hier

GAL „antiterroristische Befreiungsgruppen“, vom spanischen Staat finanzierte Todesschwadron, die zwischen 1983 und 1987 28 Menschen umbrachte, siehe auch hier
Gora ETA „es lebe die ETA“, gängiger Schlachtruf, auch: „Gora Euskadi askatuta“, „es lebe das freie Baskenland“
Gudari baskischer Soldat

Hegoalde Bezeichnung für das spanische Baskenland samt Navarra
Herri Batasuna „Volksunion“, abertzale Partei, auch als „politischer Arm der ETA“ bezeichnet, wurde verboten und 2001 durch die Partei Batasuna („Einheit“) ersetzt, die 2003 verboten wurde

Ikastola (baskische) „Schule“
Ikatza „Kohle“
Ikurriña die Fahne des Baskenlands mit roten, weißen und grünen Kreuzen, entworfen von Sabino Arana
Iparralde Bezeichnung für das französische Baskenland

Josu Muguruza (1958-1989), Politiker von Herri Batasuna, der entweder von der GAL oder der extremen Rechten ermordet wurde

Kaixo „Hallo“, neben dem kolloquialen „Aupa“ die gängigste Begrüßungsformel
KAS kurz für Koordinadora Abertzale Sozialista („Koordination des sozialistischen Patriotismus“), Dachorganisation diverser abertzale Gruppen, Zusammenschlüsse, 1998 für illegal erklärt
Kaserne von Saragossa bei einer Autobombe auf eine Kaserne der Guardia Civil im Dezember 1987 wurden elf Menschen, darunter fünf Kinder, getötet
Kochverein eigentlich sociedad gastronómica, auf Baskisch auch txoko, „gastronomische Gesellschaft“; im Baskenland hat das Kochen einen hohen Stellenwert und ist traditionell Aufgabe des Mannes; in den Kochvereinen treffen sich regelmäßig die gleichen Freundeskreise, kochen und trinken zusammen; bis vor kurzem war Frauen der Zutritt verboten

Lehendakari der baskische Ministerpräsident, den bis auf eine Ausnahme immer die PNV gestellt hat
Lorea bi „Blume zwei“, Zahlwörter: bat, bi, hiru, lau, bost, sei, zazpi, zortzi, bederatzi, hamar

Maitia „Geliebte/r“
Mendiko ahotsa „Stimme des Bergs“
Moreno Bergaretxe bekannt als Pertur, war der Anführer der ETA in den letzten Jahren der Diktatur, der am 23. Juli 1976 spurlos verschwand
Mugalari Bezeichnung für Personen, die Menschen über die französisch-spanische Grenze schmuggeln (nicht erst seit Gründung der ETA, sondern bereits während des Bürgerkriegs, des Zweiten Weltkriegs und der Diktatur), „muga“ bedeutet „Grenze“
Mus Kartenspiel, das hauptsächlich (aber nicht ausschließlich) im Baskenland verbreitet ist, wird teilweise auch in Frankreich und Lateinamerika gespielt
Muxu „Kuss“

Ordizia Dorf in Gipuzkoa, in dem unter anderem Yoyes ermordet wurde

Pelota „Ball“, traditionelles, sehr populäres Ballspiel, das hauptsächlich (aber nicht ausschließlich) im Baskenland gespielt wird
Pertur siehe Moreno Bergaretxe
Piraten itsasontzi urdina „blaues Piratenschiff“
Pixa „Pisse“
PNV Partido Nacional Vasco, auf Euskera Euzko Alderdi Jeltzalea, „baskische Nationalpartei“, konservative Partei, die ideologisch nur auf wenigen Ebenen, namentlich dem Streben nach Unabhängigkeit, mit der abertzale übereinstimmt
Presoak kalera „Die Gefangenen auf die Straße“, also Forderung nach Freilassung

Ongi etorri „Herzlich willkommen“
Osaba „Onkel“

Real kurz für Real Sociedad de San Sebastián, einer der größten Fußballvereine des Baskenlands, nicht zu verwechseln mit Real Madrid!, auf Spanisch langläufig mit „la Real“ („die Real“, da „la Sociedad“), abgekürzt, während bei Madrid der Artikel wegfällt

Talde „Gruppe”
Txakurra „Hund”, hier sehr abwertend für staatliche Sicherheitskräfte verwendet, „txakurrak kanpora“ bedeutet „Hunde raus“
Txato entzun „Hör zu, Txato“
Txomin Iturbe (1943-1987), Anführer der ETA, offiziell bei einem Autounfall ums Leben gekommen
Txopo „Knarre“

Yoyes Dolores González Catarain alias Yoyes war die erste weibliche Anführerin, bis sie 1980 die ETA verließ und nach Mexiko ins Exil ging. Nach ihrer Rückkehr ins Baskenland wurde sie am 10. September 1986 vor den Augen ihres dreijährigen Sohns erschossen. 1999 wurde ein Film über ihr Schicksal veröffentlicht

Zutabe „Säule“, Name des internen Bulletins der ETA

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2 Gedanken zu “Fernando Aramburu/Baskische Literatur: Glossar

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