Im Blick: Frühjahr 2018 I

Dem ein oder anderen mag es vielleicht aufgefallen sein: Heimlich, still und leise habe ich meine monatliche Vorschau „Im Blick“ eingedampft. Dafür gibt’s für das erste Halbjahr 2018 umfangreiche Blogposts.

Den Anfang macht der Hanser Verlag samt aller Imprints, denn hier sind es gleich vier Bücher, die interessant klingen: Ta-Nehisi Coates, bekannter schwarzer Intellektueller, der das grandiose „Zwischen mir und der Welt“ geschrieben hat, beleuchtet in „We were eight years in power“ (Hanser Berlin, 12. März) die achtjährige Amtszeit von Barack Obama. Ebenfalls bei Hanser Berlin erscheint am 29. Januar „Was zu dir gehört“ von Garth Greenwell. In seinem Debütroman erzählt Greenwell die Geschichte eines US-amerikanischen Lehrers, der in Sofia regelmäßig einen Stricher aufsucht. Es entwickelt sich eine Beziehung, die zwischen Zärtlichkeit und Gewalt changiert. Eine ganz andere Form von Gewalt, nämlich staatliche, behandelt der Argentinier Marcelo Figueras in seinem Thriller „Das schwarze Herz des Verbrechens“ (Nagel & Kimche, 19. Februar): Darin geht es um einen Massenmord an peronistischen Führungspersönlichkeiten, der 1956 unter der Militärregierung von Pedro Eugenio Aramburu verübt wurde. Und noch ein letztes Mal Hanser: Der russische Exilautor Gaito Gasdanow entführt seine Leser in „Nächtliche Wege“ (19. Februar) in die Halb- und Unterwelt Paris‘ der dreißiger Jahre.

Ins New York der siebziger Jahre geht es mit Ruth Cerha in ihrem Roman „Traumrakete“ (Frankfurter Verlagsanstalt, 5. März, noch ohne Link): Dave versucht, alte Familiengeheimnisse aufzuarbeiten und muss sich schließlich den Kriegstraumata seiner Vorfahren stellen. (Nicht explizit erwähnt werden muss an dieser Stelle Mareike Fallwickls „Dunkelgrün fast schwarz“ von der FVA, das habt ihr eh alle auf dem Schirm!!) Ebenfalls in New York spielt der Roman „Von dieser Welt“ (9. März) des großartigen James Baldwin, den dtv in einer Übersetzung von Miriam Mandelkow neu auflegt. Der Roman handelt von dem sensiblen Jungen John Grimes, der in den dreißiger Jahren in Harlem aufwächst, und der Beziehung zu seiner Familie, zur Kirche und zur Gesellschaft. Nach „Was ich euch nicht erzählte“ erscheint endlich der zweite Roman von Celeste Ng: „Kleine Feuer überall“ (dtv, 20. April). Auch in diesem Buch geht es um die Bewohner einer Kleinstadt Ohios, Rassismus und Geheimnisse, die unter der heilen Fassade brodeln. Bleiben wir in den USA: Vielschreiber Joshua Cohen bringt seinen nächsten Wälzer auf den Markt. Sein „Buch der Zahlen“ (Schöffling, 23. Januar) dreht sich um einen Autor, der als Ghostwriter die Biografie eines Internetmagnaten schreiben soll.

Gleich drei tolle Romane hat Suhrkamp in petto: Zum einen erscheint der neue Roman von Jaume Cabré, dem großartigsten lebenden katalanischen Autor, dessen „Die Stimmen des Flusses“ (in einer Zeit erschienen, in der alle iberischen Romane einen „Schatten des Windes“-Genitiv in ihren Titel geknallt bekamen, auch wenn sie in keinster Weise damit vergleichbar sind) zu den besten Büchern gehört, die ich in meinem Leben je gelesen habe. „Eine bessere Zeit“ (Insel, 26. März) nun spielt während der Diktatur und dreht sich um Miquel, der in den Untergrund geht, um gegen Franco zu kämpfen. Auch der neue Roman des Brasilianers Daniel Galera, „So enden wir“ (12. März), klingt sehr spannend. Eine Gruppe von Freunden denkt an ihr Leben in der Subkultur der neunziger Jahre zurück: Wer waren sie damals wirklich? Der letzte Suhrkamp-Schlag ist der neue Teil der großen „Ortsumgehung“-Reihe von Andreas Maier. Während die Namen Knausgard und Meyerhoff bei autobiografischen Zyklen immer wieder fallen, bleibt Andreas Maier erstaunlich unbeachtet. Warum? „Die Universität“ (12. Februar) interessiert mich als Frankfurterin auch deswegen, weil der Roman vom Frankfurter Studileben der achtziger Jahre handelt. Aber: Ich habe fast alle Bücher von Andreas Maier gelesen; sie lohnen immer, er ist ganz frankfurtunabhängig einfach ein sehr guter Autor. Von einem weiteren Lieblingsautor erscheint am 26. Juli bei S. Fischer aus seinem Nachlass ein neues Buch: Roberto Bolaño und „Der Geist der Science Fiction“. Wie schon in „Die wilden Detektive“ geht es auch hier wieder nach Mexiko-Stadt auf der Suche nach Autoren.

Teil 2 folgt in Bälde!

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7 Gedanken zu “Im Blick: Frühjahr 2018 I

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