Woher ich WIRKLICH komme, wollt ihr wissen?

Ich arbeite seit zwölf Jahren als Kellnerin, hauptberuflich, im Nebenjob, im Nebenjob, der sich anfühlt wie ein Hauptberuf, als Aushilfe; hier in Stuttgart leider sehr selten, in Berlin werde ich mir wieder einen regelmäßigen Kellnerjob suchen. Paradoxerweise kellnere ich gerne, obwohl ich kein großer Fan von Menschen bin. Es gibt neben den üblichen Ärgerlichkeiten, die diese Tätigkeit mit sich bringt, allerdings eine Sache, die ich beim Kellnern wirklich, wirklich hasse: Ich werde andauernd gefragt, woher ich denn wirklich käme.

Der Verlauf des Gesprächs ist immer gleich, wirklich immer! Frage 1: „Woher kommst du?“, Frage 2: „Woher kommst du wirklich?“, Frage 3: „Aber woher kommen deine Eltern?“. Warum ist das so relevant? Ich habe an und für sich mit der Frage, woher ich stamme, keine Probleme. Die Antwort lautet immer Frankfurt, denn das ist die Stadt, in der ich geboren und aufgewachsen bin, die Stadt, die viel in meinem Leben bestimmt hat und über die ich mich definiere, im Guten wie im Schlechten. (Fußnote: Mir ist im Umgang mit anderen Deutschen aufgefallen, dass Bremer, Nürnberger, Hamburger, Kölner oder Potsdamer sich nicht so stark mit ihrer Heimatstadt identifizieren. Über die Frankfurtneurose von uns Frankfurtern könnte man Bücher füllen.) Jedenfalls: Ich komme aus Frankfurt, Punktum. Und wenn ich wirklich ein Land nennen müsste, wäre es, mit einigen Zahnschmerzen, Deutschland. Ich bin allerdings nicht ganz so blond und blauäugig, wie man es dem Klischee entsprechend von Deutschen erwartet. Und hier kommen die meisten ins Stutzen.

Ich wurde bereits nach Marokko verortet und in die Türkei, nach Mexiko, Spanien, Afghanistan, Kuba, Argentinien, Irak, Italien… sucht es euch aus. Mich amüsieren diese Vermutungen und zugleich weiß ich, dass es ein Privileg ist, so „universell“, wenn man es so ausdrücken möchte, auszusehen. Weder in Spanien noch in Lateinamerika bin ich, bevor ich den Mund aufgemacht habe, jemals als Nicht-Local aufgefallen. Die Iraner treffen erstaunlicherweise immer den Nagel auf den Kopf. Aber ich muss alle, die mir das „Deutsch sein“ nicht glauben, enttäuschen: Das Land, dem ich eurer Meinung nach optisch eher zugehörig bin als Deutschland, hat mit mir und meinem Leben weder kulturell noch emotional noch von der Sprache her zu tun. Das ist und bleibt Deutschland.

Zurück zum Kellnern. Seit zwölf Jahren also werde ich gefragt, wo ich wirklich herkäme, eine Frage, die mir in der Schulzeit nie gestellt wurde. Es hat einfach niemanden gebockt und das ist wieder der Vorteil von Frankfurt: Ich bin nicht im blond-bayerischen Dorf aufgewachsen, fast alle sahen wir so aus, als könnte man uns diese Frage stellen. Mit dem Kellnern hat sich das geändert. Jahrelang hat mich die Frage nicht interessiert oder höchstens belustigt, aber irgendwann fing sie an, mir richtig auf den Senkel zu gehen, vor allem da mir meine ehrliche Antwort („Frankfurt“) nicht geglaubt wurde. Und das macht irgendwann wütend. Als ich in San Sebastián alle naslang nach meiner Herkunft gefragt wurde, störte mich das nicht. Ich war zum einen erst am Anfang meiner Kellnerkarriere und entsprechend noch nicht so genervt, zum anderen spreche ich schlicht und ergreifend Spanisch mit deutschem Akzent. Außerdem erscheint es mir etwas logischer, dass Spanier oder in Spanien lebende Menschen ein stereotyperes Bild von Deutschen haben als andere Deutsche oder in Deutschland lebende Menschen.

Wenn ich kellnere, bekomme ich die Frage, wo ich denn wirklich her sei, auch wirklich oft gestellt. Nicht jedes Mal und möglicherweise auch drei Abende hintereinander nicht, aber mitunter auch viermal an einem Abend. Prinzipiell habe ich, wie oben erwähnt, kein Problem mit der Frage. Ich verstehe nicht ganz, was daran sooo spannend sein soll, aber bitte. Was mich aber stört: Die Frage wird mir zumeist von Fremden gestellt. Und die wollen nicht wissen, welche Bücher ich gerne lese oder ob ich überhaupt lese, sie wollen nicht wissen, ob ich Kaffee- oder Teetrinkerin bin, ob ich mir die Zehnägel lackiere, Fleisch esse, an Gott glaube, Stadt- oder Landmensch bin, ob ich Frühaufsteherin bin, in wen ich verliebt bin, was ich zum Frühstück hatte oder in welchem Viertel der Stadt ich wohne. Sie wollen noch nicht einmal wissen, wie ich heiße. Aber sie sind anmaßend genug, mich nach der Herkunft meiner Eltern zu fragen.

Und hier fängt es an, mich zu ärgern: Den Leuten, die mich das fragen, geht es nicht um mich. Wer mich kennt, meinen Namen weiß, sich mit mir unterhält, auseinandersetzt, kann mir die Frage zehnmal stellen, kann noch fünfmal ein „wirklich“ hinterherschieben, I don’t give a shit, wir können gerne darüber reden (wenn’s eben sooo spannend ist). Aber die Menschen in der Kneipe, meine Gäste, die interessieren sich nicht wirklich dafür, wo ich wirklich herkomme. Sie interessieren sich dafür, ob sie mit ihrer Vermutung, ich sei nicht deutschdeutsch, recht haben oder nicht. Das ist alles! Das merkt man daran, dass sich, egal, wie meine Antwort lautet (wenn ich mir die Mühe mache, ein Land zu nennen, variiere ich mit meinen vermeintlichen Herkunftsländern), alle mit „Aaaah!“ reagieren, der eine ist triumphierend, der andere enttäuscht, weil er auf das falsche Land getippt hat. Und das sagt mir, dass sich der ganze Tisch gerade über die Nationalität ihrer Kellnerin ausgetauscht hat. Habt ihr wirklich keine anderen Themen?

Der Witz ist am Ende eben dieser: Meine Antwort ist im Prinzip egal, solange ich eine gebe und nicht bei „Frankfurt“ oder „Deutschland“ bleibe. Auf der Hibbdebach-Seite Frankfurts machte ich es mir irgendwann zur Gewohnheit, „aus dem Süden“ zu antworten und die auf weitere Informationen gierigen Gesichter mit dem Zusatz „aus Sachsenhausen“ (Dribbdebach, südlich des Mains) zu enttäuschen. Ungefähr zehn Prozent meiner Gäste checkten daraufhin, wie dämlich die Frage ist. Die anderen neunzig Prozent hakten nach: „Und woher wirklich?/Aber woher kommen deine Eltern?“

Als ich in spanischen Restaurants gearbeitet habe, war ich für die Gäste Spanierin. In Spanien selbst war ich Deutsche. Im türkischen Restaurant hielt man mich für eine Türkin. Aber, und jetzt wird’s kompliziert, in den spanischen Restaurants war ich unter den spanischen Stammgästen und Kollegen keine Deutsche oder Spanierin, sondern Baskin oder Katalanin, ich wurde von nicht wenigen sogar „Vasca“ oder „Catalana“ genannt. Was also ist Nationalität?

Was ist Nationalität, diese Frage stelle ich mir schon länger. Woran macht man das fest? Woran macht ihr das fest und woran die Gäste, die mich danach fragen? Warum reicht bei mir die Antwort, dass ich Deutsche (Frankfurterin!) bin, nicht aus? Hängt es davon ab, wo man geboren ist, wo die Eltern geboren sind, wo man aufgewachsen ist und sozialisiert wurde, welche Sprache man spricht, was im Pass steht oder wo man sich zugehörig fühlt? Kann man das so einfach definieren? Ich sage nein. Der Witz ist: Obwohl für mich Nationalität ein fließendes Konstrukt ist, kann ich auf fast alle diese Fragen mit Deutschland antworten und werde trotzdem nicht als Deutsche wahrgenommen.

Vor ungefähr einem Jahr hatte ich eine erhitzte Diskussion mit zwei Freunden, der eine Frankfurter mit deutschen Eltern, der andere Frankfurter mit türkischen Eltern. Ich betone das „Frankfurter“, um bei dem zweiten Freund nicht in Verlegenheit zu geraten, ihn als „Deutschen“ oder „Türken“ bezeichnen zu müssen. Das ist bei ihm sehr viel schwieriger als bei mir. Auch er schwankt bei der Bezeichnung seiner Nationalität, und das zumeist unbewusst. Wir diskutierten darüber, ob die Frage, woher jemand wirklich käme, rassistisch sei oder nicht. (Diese Diskussion ist ein wenig mit der #metoo-, Sexismusdebatte vergleichbar: Wo fängt sexuelle Belästigung an?) Für mich war das mehrfache Nachhaken der Hinweis auf einen latenten Rassismus. Mein deutschtürkischer Freund oder Freund mit türkischen Eltern meinte, auf die Aussage (die er nicht selten zu hören bekommt), er könne aber gut Deutsch sprechen, würde er lachend kontern mit: „Sie auch!“ Ich habe die Gelassenheit oder den Humor, auf diese dämliche Frage/Aussage so zu reagieren, im Laufe der Jahre verloren. Zurück zur Diskussion: Meine beiden Freunde regten sich ziemlich darüber auf, dass ich die „wirklich“Frage als latent rassistisch bezeichnete, sie meinten, dadurch würde ich echten Rassismus verharmlosen. Das ist ein Punkt, den ich sehr gut verstehe und sogar teile, trotzdem bleibt für mich das erneute Nachhaken, wenn es von fremden Menschen kommt, die (wie oben ausführlich erläutert) sich nicht einmal für meinen Namen interessieren, für latent rassistisch. Ich meine nicht unbedingt die erste Frage („Woher kommst du?“), definitiv aber die zweite („Aber woher kommst du wirklich?“), weil mir somit aufgrund meines Äußeren meine eigene Identität abgesprochen wird.

Ich beantworte die Frage, wo ich denn herkäme, ungern mit „Deutschland“, ich möchte mich nicht konkret einem Land zuordnen müssen. Kürzlich bin ich dank einer Lesung auf einen sehr interessanten, äußerst sehenswerten TED Talk gestoßen: „Don’t ask me where I’m from, ask me where I’m local.“ Taiye Selasi, der man gleich mehrere Länder/Nationalitäten zuweisen könnte, wenn man denn wollte, bricht mit genau dieser Denkweise und formuliert damit das, worauf ich selbst nie genau den Finger legen konnte: Was hat ein Mensch aus New York City mit einem aus Wyoming zu tun? Der Hamburger mit dem Bayern, der Baske mit dem Andalusier? Sind die einen US-Amerikaner, die anderen Deutsche, die letzten Spanier? Laut Pass ja. Aber viele Gemeinsamkeiten gibt es nicht. Der Mensch aus New York City ist Cheyenne (die Hauptstadt von Wyoming, gewusst? Ich musste auch Wikipedia konsultieren) genauso lost wie der Brite oder Deutsche.

„How can I come from a nation?“, fragt Taiye Selasi, „how can a human being come from a concept?” Sie schlägt vor, die Leute danach zu fragen, wo sie Locals sind, denn: „Our experience is where we come from.“ Und damit formuliert sie die Idee, die ich nie ganz benennen konnte: Ich habe in Frankfurt, Barcelona, San Sebastián, Mexiko-Stadt und Stuttgart gelebt und stehe kurz vor meinem Umzug nach Berlin. Es sind die Städte (und die Menschen in ihnen) die meine Erfahrung geprägt haben, wenig der übergeordnete Staat. Deswegen kann die einzige, ehrliche Antwort auf die Frage, wo ich wirklich herkäme, nur Frankfurt lauten. Ich wünschte, die Leute würden das irgendwann akzeptieren.

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6 Gedanken zu “Woher ich WIRKLICH komme, wollt ihr wissen?

  1. Letztens habe ich diesen einen Witz bei Twitter gelesen, wo sich alle Nationen gegenseitig vorstellen und der Deutsche sagt dann: „Ich bin Europäer“. Und alle anderen so: „Ahh, der Deutsche!“

    Ich finde das so gut, weil es genau auch unser Gefühl beschreibt. Eigentlich ist es doch ein Luxus, dass wir uns keiner Nation angehörig fühlen müssen und daher eher Europäer sind, als Nationalisten. Ich bin zum Beispiel auch im Ausland aufgewachsen und musste mir – als Deutscher – den ganzen Quatsch auch immer anhören, nur halt andersherum. Wobei die Leute nach Gemeinsamkeiten gesucht haben, weniger nach dieser Bestätigung, wie sie hier normal ist und wie Du sie beschreibst (~ die Leute wollen ihre Vorurteile bestätigt bekommen). In Kenia zB war es erst mit der WM in ~94 besser, als ich „Jürgen, like Jürgen Klinsmann“ sagen konnte. Und so wie hier alle Afrikaner in einen Topf geworfen werden, werden dort auch alle Europäer in einen Topf geworfen. Die Menschen sind leider so, es hat mich auch lange genug genervt. Und eben dieses Desinteresse an der Antwort an sich, was es eben so nervig macht. Ich habe eine Freundin, die einen Bruder hat, der als Kleinkind aus Uganda adoptiert wurde. Der ist im tiefsten Oberbayern aufgewachsen, spricht sehr schlecht Englisch und sonst nur Bairisch. Mit ihrem Bruder also ist die dann in Kenia über den Markt gelaufen und er wurde dumm angemacht, weil er nix verstand und nicht antworten konnte. Dieses Rassismus-/Vorurteil-Ding ist leider in so vielen Köpfen drin.

    Zu FFM als Heimatstadt: Ich wohne genau aus dem Grund in FFM, weil es eben Heimat für so viele Zugereiste ist und die Heimatverbundenheit für mich hier nicht so stark ausgeprägt ist. Also in der quantitativen Wahrnehmung. Ist das hier wirklich so stark verbreitet mit der Heimatverbundenheit? Außer Eintracht? Ist mir ehrlich gesagt noch nie so aufgefallen, höchstens vielleicht bei Deinen Artikeln.

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  2. Die Leute sind schon komisch. Als Deutscher, der seit 14 Jahren in Österreich lebt, kann ich das manchmal nachfühlen, auch wenn es in dieser rassistischen Vorverurteilung natürlich nicht vergleichbar ist. Sobald ich den Mund aufmache, hört man, dass ich nicht aus Österreich komme. Trotzdem fragen die Leute, um ihr Gefühl zu befriedigen. „Du klingst aber nicht österreichisch?“ „Kommst Du aus Deutschland?“ (Woher sonst?!) – „Und nach dem Studium wolltest Du nicht zurückkehren?“ – immer diese oberflächlichen rhetorischen Fragen. Es kommt den Menschen nicht in den Sinn, dass man gerne hier lebt, sie fragen nicht, was einem an Österreich gefällt, sondern nur, warum man nicht nach Deutschland zurückgekehrt ist. Oder nicht zurückkehren will. Manchmal erlaube ich mir den Spaß und antworte, ich komme aus in Salzburg (bzw. vorher Innsbruck und Wien), da merke ich, das ist nicht die Antwort, die sie hören wollten. Manche belassen es dann dabei. Andere bohren nach „Und woher kommst Du ursprünglich?“ – Meistens kennen sie dann die Region überhaupt nicht. Aber in allen Fällen ist kein echtes Interesse dahinter, an meinen Hobbys, oder kontextbezogen. Bei fast jeder Wanderung, bei vielen Kennenlernsituationen treffe ich diese Menschen und muss immer wieder ihre sinnlosen Fragen beantworten. Ich sollte den Spieß einfach umdrehen und es bei Ihnen auf die Spitze treiben. Denn die meisten Österreicher sind nicht so authochton, wie sie behaupten, sondern haben in der zweiten oder dritten Generation Wurzeln im Ausland. Lediglich zwei Wiener haben (unabhängig voneinander im Abstand von sieben Jahren) mir einmal das schönste Kompliment gemacht, indem sie mich für einen Tiroler hielten, der schon lange in Wien lebt …

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  3. Hallo Isipeazy,
    danke für den persönlichen Beitrag mit den vielfältigen Erfahrungen, Fragen und Gedanken. Du schilderst nachvollziehbar, dass es Dich nervt, immer wieder und penetrant nach der Herkunft gefragt zu werden. Dazu schreibst Du, dass Du nicht mehr so gelassen und humorvoll darauf reagierst. Die Video-Rede von Taiye Selasi ist beeindruckend.
    Als Nürnberger identifiziere ich mich gerne mit der Stadt, bis hin zum Namen meines Blogs. Vatersprache ist „Närmbercherisch“, die Muttersprache fast schriftdeutsch, sodass ich mehrmals gefragt wurde, ob ich Nürnberger sei. In solchen Gesprächen geht es um Stadtteile, Zugehörigkeit oder um die wieder aktuell werdende „Heimat“. „Nationalität“ kommt etymologisch von der Geburt her, und meint heute die Staatsbürgerschaft. Wenn ich von mir spreche, dann gerne als Nürnberger und als Franke, schon weniger als Bayer oder Deutscher, gelegentlich als Europäer oder gerne als Weltbürger.
    „Wie heißen Sie, und wo kommen Sie her?“ pflegte meine Mutter gerne zu fragen – bis in die hohe Demenz, und auch wiederholt ihre Mitbewohnerin im Pflegeheim.
    Dass dies rassistisch gemeint oder zu interpretieren ist, glaube ich nicht. Es ist in meiner Wahrnehmung zunächst ein gut gemeinter Gesprächsanlass – alternativ zum Gespräch über das Wetter -, eine gewisse Neugier, es ist nicht so privat wie die Frage nach dem Namen oder dem Familienstand. Manchmal erlebe ich, nicht nach der Herkunft fragend, dass Menschen dies gerne erzählen möchten.
    Im beruflichen Alltag findest Du bestimmt passende Reaktionen. Vielleicht eine Rückfrage: „Und wo kommen Sie her?“ Oder: „Dreimal dürfen Sie raten.“ „Schön, dass Sie hierher gefunden haben.“ „Erzählen Sie mir gerne von sich.“ „Unser Kaffee kommt aus …, unser Wein aus …, unsere Speisen aus …“ Es würde auch sympathisch klingen: „A Frangfurder oder Hessisches Mädscha“. „Eine globale oder europäische Weltbürgerin.“ Sehr von Herzen wünsche ich Dir einen unbeschwerten, leichteren und spielerischen Umgang mit der Situation.
    Schöne Feiertage und viele Grüße, Bernd

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  4. Danke euch für eure ausführlichen Kommentare, ich habe auf allen möglichen Medien, allen voran Facebook (aber nicht nur) durch die vielen Antworten und Likes bemerkt, dass ich anscheinend einen Nerv getroffen hab.

    @jke: Das mit dem „Europäer“ kann ich nachvollziehen, so würde ich mich auch am liebsten vorstellen, wenn es nicht etwas affig klänge. Auf FB meinte einer, dass Deutsche stolz sind, wenn sie im Ausland nicht als Deutsche wahrgenommen werden. Und auch das stimmt, zumindest bei mir.
    Ich würde das, was ich als „Frankfurtneurose“ bezeichne, nicht vergleichen mit dem Gefühl, das Münchner beispielsweise zu ihrer Stadt haben (soweit ich das als Nicht-Münchnerin beurteilen kann): Frankfurter mögen in meinen ihre Stadt nicht unbedingt und schimpfen laut und gerne darüber, sie ist und bleibt aber immer der Maßstab, mit dem man, gleich ob positiv oder negativ, alles vergleicht. Ein Bremer sagt nicht so oft „Ja, bei uns in Bremen ist das so…“, oder „Moment mal, der Techno wurde erfunden…“ oder dergleichen, der Frankfurter andauernd. Hier muss ich in den Spiegel schauen, seitdem mir das bei mir selbst auffällt, achte ich bei meinen Freunden allerdings auch darauf und ja, ich bin nicht die einzige 😉 Auch sind in meinem Freundes- und Bekanntenkreis bis auf ganz, ganz, GANZ wenige Ausnahme alle nach der Schule in Frankfurt geblieben oder spätestens nach dem Studium zurückgekehrt. Das gibt’s doch sonst nirgends?

    @Forscher: Ich vermute mal, dass das Verhältnis Deutschland/Österreich ein ganz spezielles ist 😉 Ein Freund von mir, selbst halb Pole, hat ein Jahr lang in Warschau gelebt (noch vor dem krassen Rechtsruck der letzten Jahre). Einerseits sagten die Polen zu ihm „Wieso kommst du freiwillig hierher, wenn du doch in coole Länder wie England oder Frankreich könntest?“, andererseits sieht man überall auf den Straßen (ich hab ihn besucht) auf Graffitis und dergleichen immer und immer wieder Bezüge zu Nazideutschland. Auch ein sehr schizophrenes Verhältnis, das viele Polen zu ihrem eigenen Land und zu Deutschland haben.

    @Bernd: Das ist ja die Krux, das mit dem „Frankfurterin“ (egal, ob ich das Hessisch oder halbwegs Hochdeutsch ausspreche) wird mir einfach nicht geglaubt, die Leute drängen mich oft in einen Erklärmodus, den ich gar nicht bedienen will. Richtig übergriffig ist auch, wenn man Land x nennt, und die nächste Frage nicht lautet, ob ich die entsprechende Landessprache kann (das ist ja okay), sondern „Mama oder Papa?“. Da bleibt mir oft die Spucke weg, dass mir so persönliche Fragen gestellt werden und warum? Um irgendein vorgefertigtes Bild, Klischee zu bedienen, zu festigen?
    Wie ich oben schildere, will ich den Leuten keinen Rassismus in dem Sinne unterstellen, also wie meine Freunde in der Diskussion sagten, würde das „echten“ Rassismus ja schmälern. Das mehrfache Nachfragen, weil mir „Deutsche“ oder „Frankfurterin“ oder „Dribbdebacherin“ nicht geglaubt wird, grenzt aber hart an einen unterschwelligen Rassismus, weil ich mit dunklen Haaren ja keine Deutsche sein kann.

    Danke euch für eure Meinungen!

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  5. Zitat von Isipeazy: „Ich wurde bereits nach Marokko verortet und in die Türkei, nach Mexiko, Spanien, Afghanistan, Kuba, Argentinien, Irak, Italien… sucht es euch aus.“

    Sehr guter Beitrag, es geht nicht nur dir so!
    Zu aller erst, rechtlich gesehen bist du von der Nationalität her, dass was auf deinem Ausweis steht!
    Steht da Deutsch, bist du Deutsch, so einfach, ob du dich dieser Nationalität angehörig fühlst spielt eine andere rolle.

    Auch finde ich, dass der Begriff „Deutsche/r“ mal neu definiert werden müsste.
    Für mich (meine Meinung) gibt es Deutsche und Deutsch-Deutsche. Letzteres sind die Nachkommen der 2.ten Weltkriegsgeneration.

    Auch ich sehe nicht aus wie ein gebührtiger Deutscher und dass obwohl ich hier geboren, aufgewachsen und alles mitgemacht habe. Rasisstische Bemerkungen darf ich noch heute erfahren. Ein Bsp.: Letzte WM nach einem DE-Spiel, trug ich ein Deutschlandtrikot und ging eine Zone entlang wo Club an Club steht (eine Art PartyZone). Dort saßen ein paar Mädels, offensichtlich Deutsch-Deutsche, die als sie mich sahen, direkt rüberschrieen „scheiß Türke“ zieh das Deutschland-Trikot aus… Ich ersparte mir jegliche Diskussion, grinste nur und ging weiter, alles andere hätte eh nichts gebracht!

    Für mein Aussehen kann ich nichts, ich bin halb Polnisch und halb Deutsch mit Südländischem Aussehen, mich stört das nicht, aber offenbar andere. Und die Frage, jedes mal auf’s neue „Woher kommst du“, „Bist du Türke“ etc. geht mir mittlerweile auch auf den Sack!

    Ehrlich gesagt fühle ich mich keiner meiner beiden Nationalitäten zugehörig, ich fühle mich als Mensch mit vielseitigen interessen und so sollte sich jeder fühlen, eben als Mensch!

    In dem Sinne, leben und leben lassen und falls dich das nächste mal jemand fragt, woher du kommst, bleib weiter bei dem was du empfindest, mit einem verschmitztem Lächeln.

    Grüße

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