Im Blick: Frühjahr 2019 I

Los geht’s mit dem ersten Blick in die Frühjahrsvorschauen. Der Preis für den gruselig-kitschigsten Satz geht dieses Mal an den Verlag C.H. Beck mit folgender Werbung: „Dieser Roman ist eines der Bücher, von denen Franz Kafka sprach, als er sie «die Axt für das gefrorene Meer in uns» nannte.“ Autsch.

Ein Buch, auf das ich ganz besonders gespannt bin, erscheint am 18. Januar bei Blumenbar. Kristen Roupenian wurde vergangenes Jahr auf einen Schlag bekannt, als ihre Kurzgeschichte „Cat Person“, veröffentlicht im New Yorker, viral ging. Das muss man sich vor Augen führen: Eine Kurzgeschichte (!) von einer unbekannten Autorin (!!) wird massenhaft (!!!) im Internet geteilt. Roupenian traf mit ihrer Story über eine unangenehme sexuelle Begegnung ganz offensichtlich den Nerv vieler Menschen. Diese und elf weitere Geschichten finden wir nun in ihrem gleichnamigen Debüt. Ich bin wirklich sehr gespannt auf das Buch!

Die meisten Entdeckungen in diesem Halbjahr habe ich persönlich bei KiWi gemacht: Joseph Cassaras Debüt mit dem wunderschönen Titel „The House of Impossible Beauties“ (11. April) wurde zwar ganz, ganz furchtbar in „Das Haus Xtravaganza“ (why, KiWi, why?) umgetauft, das soll bitte aber niemanden abschrecken. Inhaltlich geht es um die LGTBQ-Szene im New York der achtziger Jahre. Es gibt außerdem einen Essayband von Zadie Smith („Freiheiten“, 09. Mai), Deniz Yücel erzählt in „Agentterrorist“ von seinem Jahr im türkischen Knast (09. Mai), und auch von der tollen Patti Smith dürfen wir uns mit „Hingabe“ (09. Mai) auf ein neues Memoir freuen. Genauer anschauen möchte ich mir „Alte weiße Männer“ von Sophie Passmann. Ursprünglich sehr gefreut auf dieses Buch war ich ernüchtert, dass sie wortwörtlich nur über weiße Männern (älteren und einigen jüngeren wie Kevin Kühnert) schreibt. Benötigen diese noch mehr Aufmerksamkeit? Not sure. Aber ich will nicht vorher urteilen, ich traue Sophie Passmann einiges zu und bin neugierig, warum sie diese Herangehensweise gewählt hat.

Einen Titel, den ich seit Jahren empfehle und der eine 100-prozentige Erfolgsquote hat, ist „Rohstoff“ von Jörg Fauser. Es geht um Untergrundarbeit und Drogen, um Publizistik, Politik und Kneipen, um Frankfurt, Berlin und Istanbul, verfasst in einem einzigartigen Ton, witzig und nachdenklich zugleich. Fauser rockt! Das sieht der Diogenes Verlag genauso und legt einige seiner Bücher (alle 22. Mai) neu auf, darunter auch „Das Schlangenmaul“, das ich selbst noch nicht kenne. Ist aber bestimmt toll. Ist nämlich Fauser. Unbedingt Fauser lesen!

Bei Berenberg, dem Verlag mit sicherem Händchen für gute spanischsprachige Entdeckungen, gibt es im Frühjahr ebenfalls einen interessanten Titel: In „Übergänge“ (12. Februar) erinnert sich Vicente Valero an Francos Tod zurück. Schließlich noch der Kunstmann Verlag: „Graffiti Palast“ von A.G. Lombardo (06. März) versetzt uns in das Moloch Los Angeles der sechziger Jahre. Und zuletzt erscheint von dem von mir sehr geschätzten mexikanischen Autor Antonio Ortuño der Roman „Die Verschwundenen“ (06. März), in dem er das Drogenkartell von Jalisco und damit zusammenhängend die korrupte High Society der Stadt Guadalajara unter die Lupe nimmt.

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