Eileen Myles – Chelsea Girls (internationales literaturfestival berlin)

Vergangenen Herbst wurde es bei einer Veranstaltung des internationalen literaturfestivals berlin bereits angekündigt, kürzlich ist „Chelsea Girls” von Eileen Myles, im Original erstmals 1994 veröffentlicht, endlich auf Deutsch erschienen. Das nutze ich als Anlass, um mich an die Lesung am 15. September 2019 im Silent Green zurückzuerinnern.

„Patti Smith, Robert Mapplethorpe, and Allen Ginsberg defined the neighborhood and the time. They were part of the landscape.”

1974 war das Jahr, in dem Eileen Myles, Poet*in, Autor*in, Performer*in – im Jahr 1992 sogar kurzzeitig Präsidentschaftkandidat*in, „because it seemed like the ultimate performance“ – und Aktivist*in, nach New York kam. Schnell fand they Anschluss im St. Mark’s Poetry Project im East Village, das they einige Jahre später auch leitete. Das Schöne an der St. Mark’s Church sei, erläutert Myles im Gespräch mit Moderator Toby Ashraf während des internationalen literaturfestivals berlin, dass diese Kirche, trotz all der Veränderungen, die das East Village erleben musste, wie vor 40, 50 Jahren immer noch sowohl Kirche als auch Art Space ist. Über their ersten Jahre in New York, vor allem aber über die achtziger Jahre, schreibt Eileen Myles im fiktionalisierten Memoir „Chelsea Girls“ (nur mit angedeutetem Bezug auf Andy Warhol übrigens, auch wenn der Titel anderes vermuten lässt), das erstmals 1994 erschien.

Es habe ganze 14 Jahre gedauert, bis they damals das Buch beendet hatte, verrät Myles. „Chelsea Girls“ ist zusammengesetzt aus 28 chronologisch angeordneten Kurzgeschichten, die von Künstler*innen und Junkies erzählen und von den Zeiten, als man in Manhattan noch große, heruntergekommene Lofts bewohnte und mit eigenen Druckerpressen bei ein paar Bierchen zu Hause Bücher herstellte, von Drogen, Alkohol und Sex im East Village. In dem essayistischen Roman geht es außerdem um Literatur, die Künstlerszene, Liebe, weibliche und queere Erfahrungen, die Aids-Krise – und Gewalt gegen Frauen, die Myles, der*die sich damals noch als lesbisch und cis identifizierte, am eigenen Körper erleben musste.

„Chelsea Girls“ ist stark autobiografisch, so Myles bei der Lesung. Die Ich-Figur heißt entsprechend Eileen Myles, schließlich habe they die eigene Erfahrung verwendet („Warum sollte ich mir was ausdenken, wenn ich doch all diese Geschichten zur Verfügung habe?“). Einiges wurde geändert – nicht zuletzt aus legalen Gründen, schließlich wird auch Drogenkonsum und sexuelle Handlungen beschrieben. Viele Namen, wie die von Patti Smith oder Robert Mapplethorpe, sind geblieben, they erwähnt aber keine Details „just to please the crowd“. They habe diese Artists nicht unerwähnt lassen wollen, sagt Myles, immerhin waren sie ein wichtiger Teil dieser Szene. Denn was New York City am Ende ausmacht, ist „the closeness of culture“.

Chelsea Girls“ in der Übersetzung von Dieter Fuchs ist vor einigen Tagen im Verlag Matthes & Seitz Berlin erschienen.


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