Brian von den Backstreet Boys kuschelt mit QAnon

Wer mir auf Twitter oder Instagram folgt, hat bereits eine Handvoll Tweets und Stories von mir zu diesem Thema gesehen – Brian Littrell von den Backstreet Boys ist Trump-Supporter und ganz offensichtlich der Verschwörungsideologie rund um QAnon nicht abgeneigt. (Inzwischen dürfte QAnon den meisten geläufig sein; wer sich nochmal über die Basics informieren möchte, ich habe vergangenen Frühling einen Artikel darüber verfasst, den ihr hier abrufen könnt.)

Mich lässt das aber nicht los, nicht nur, weil er als Popstar eine Vorbildfunktion hat, sondern auch, weil ich als Kind selbst mal riesiger Fan der Gruppe war. Das ist allerdings mehr als 20 Jahre her, und deswegen habe ich in den letzten zwei Jahrzehnten die Karriere der Backstreet Boys nicht gerade aufmerksam verfolgt. Bei der Recherche jetzt wird mir klar: Dass Brian pro Trump ist, ist nichts Neues.

Der letzte Grund ist, dass ich es krass finde, wie sehr die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Nick Carter, die im Rahmen von #MeToo aufkamen, unter den Teppich gekehrt wurden (hättet ihr’s gewusst? Hat kaum jemand mitbekommen), und ich finde, ein zweites Mal sollte nicht so getan werden, als wäre alles Friede, Freude, Eierkuchen in der heilen Backstreet-Boys-Welt. Ein (mutmaßlicher) Rapist und ein (mutmaßlicher) Racist in der Band zu haben, ist eine ganz schön schlechte Quote, liebe Boys.

Trumps- balls?

Aber hier soll es nicht um Nick, sondern um Brian gehen. In einem Video, das das Klatschportal TMZ am 19. Januar 2017 veröffentlichte, also einen Tag vor der Amtseinführung von Donald Trump, sagt der Sänger, er hätte die Anfrage bekommen, bei ebendieser Veranstaltung zu singen (wofür sich kaum Bands fanden, irgendwelche C-Promis und 3 Doors Down, haha, sorry 3 Doors Down, aber fuck you). „I would’ve been there if I could’ve“, sagt Brian, aber „the guys“ wollten nicht. Wir erinnern uns: Zu dem Zeitpunkt hatte es schon unzählige zutiefst rassistische Aussagen von Trump gegeben (etwa in der Rede, in der er alle Mexikaner als „Rapists“ und „Criminals“ bezeichnete), das Access Hollywood-Video, in dem er sich für sexuelle Gewalt ausspricht („Grab them by the pussy“) war ebenfalls schon geleakt. „We’re America, and this is the greatest nation on the planet“, sagt Brian ganz bescheiden. Und über Trump: „He’s gonna do so many great things in my opinion.“ Ja, Brian, was soll ich dazu sagen? Du bist hier ein schlechtes Orakel – oder auch nicht, denn in offensichtlich YOUR opinion sind die great things heute, vier Jahre später, eingetreten. Das Video endet damit, dass er sagt: „I have faith in this system. I have faith in his character, in his beliefs“ – dass Brian strenggläubiger Christ ist, ist nichts Neues – und, klar: „in his balls!“

Die Ehefrau

Ich persönlich hasse das „Die Frau ist schuld“-Narrativ, das jetzt natürlich einige BSB-Fans auspacken, weil es so misogyn wie weltfremd ist. Es lohnt aber, sich Leighanne Wallace Littrell näher anzuschauen, die, man kann es gar nicht netter ausdrücken, eine hohle, rechte Nuss zu sein scheint. Seit ein paar Tagen sind ihre Accounts bei Facebook und Twitter offline, genug Screenshots aber kursieren. Während sich Brian auf seinen sozialen Kanälen, was politische Aussagen betrifft, zumeist sehr zurückhält, war Leighanne diesbezüglich alles andere als zimperlich. Ihre hart rassistischen Posts sind unter anderem hier und hier dokumentiert und in diesem Blog gibt es einen sehr ausführlichen Text mit sehr vielen Screenshots über sie. Und das führt uns zu Brian zurück: Die beiden sind seit 20, ich wiederhole: zwanzig, Jahren verheiratet. Es wäre mehr als naiv zu glauben, sie würden nicht zumindest ähnliche Werte teilen.

Parler

Und das bringt uns zu dem Post, der außerhalb der BSB-Fangemeinde für Aufmerksamkeit gesorgt hat und durch den auch ich auf Brians rechte Gesinnung gestoßen bin: Am 9. Januar hat er auf seinen Kanälen Parler promotet, ein soziales Netzwerk, auf dem sich Rechtspopulisten, QAnonler und Konsorten rumtreiben. 9. Januar, also drei Tage nach dem Sturm auf das Kapitol, der unter anderem auf Parler organisiert wurde, und der Tag, an dem die App aus dem Apple Store und dem Google Play Store gelöscht wurde, eben aufgrund des Putschversuchs. Dass Brian ausgerechnet an diesem Tag auf sein Profil bei Parler aufmerksam macht (auf seiner Facebook-Seite mit einem Video, aus dem ihr oben ein Screenshot seht, in dem offensichtlich ist, dass er genau weiß, was er tut), sendet eine so eindeutige politische Botschaft, dass sie nicht zu überhören ist.

The Guys

Von den anderen vier Backstreet Boys hat sich in der Causa Brian bisher noch keiner öffentlich direkt geäußert. Mit Nick Carter scheint Brian eh eine komplizierte Beziehung zu haben. Das können andere, die die Karriere von BSB verfolgt haben, besser beurteilen, aber in der Doku „Show ‚Em What You’re Made Of“ (2015) geraten Nick und Brian vor allem bezüglich der Frage, wer der Leadsänger ist beziehungsweise zukünftig sein soll, heftig aneinander. Eine Szene der Dokumentation wurde nun in den sozialen Medien öfter geteilt und über deren Bedeutung spekuliert. Darin schreit Nick Brian an: „Don’t be a fucking dike like everyone knows you are.“ Was genau hat er damals damit gemeint?

Auf seinen Kanälen hat sich Nick Carter in den letzten Tagen darauf beschränkt, Selfies und Fotos seiner Kids zu posten und zu verkünden, dass Baby drei unterwegs ist.

Auch Howie D hält sich bedeckt. Am 15. Januar hoffte er etwas kryptisch auf „sunnier days ahead“. AJ McLean hingegen zeigt klar, wo seine Sympathien liegen. Er postete am 8. Januar ein Foto von sich, auf dem er aus einer Biden-Harris-Tasse mit der Aufschrift „Worth The Wait“ trinkt. Fast noch aussagekräftiger ist, dass er am Tag nach seinem Geburtstag am 9. Januar, also einen Tag nach Brians Parler-Post, die Geburtstagsglückwünsche von Kevin, Nick und Howie retweetete und sich bedankte – aber nicht den von Brian (der ihm, zumindest öffentlich, auch einen Tag zu spät gratuliert hatte, war wohl zu busy damit, Parler zu promoten).

Kommen wir zu Kevin Richardson, der einem am meisten leidtun kann. Nicht nur ist er, wie spätestens erwähnte Doku beweist, ein sehr friedliebender, ruhiger Mensch, der alle immer zum „place of love“ führen will, er ist auch noch Brians Cousin. Am 13. Januar setzte er zwei Tweets ab, bei denen es nicht sehr wild spekuliert ist zu interpretieren, dass sie an Brian gerichtet sind. Vor allem der erste, ein Link zu dem Artikel „I Lost a Best Friend to QAnon“ von Cosmopolitan ist vielsagend und rückt, so man den Tweet entsprechend deuten will, Brian Littrell in die Nähe der rechtsextremesoterischen Verschwörungsideologie.

Ist Brian also nicht nur Trump-Supporter, sondern auch QAnon-Anhänger und Unterstützer des versuchten Putschs? Warten wir ab, was dazu noch rauskommt (wenn nicht auch das totgeschwiegen wird, siehe Nick Carter).

Ich würde den Text ja gerne mit einem „Tell Me Why“-Witz beenden, aber nee, dafür finde ich diese Geschichte zu traurig. Also lieber ein Foto, das ich auf einem Konzert Anfang 1997 in der Frankfurter Festhalle gemacht habe. Das sind die Kindheitserinnerungen, die ich mir nicht zerstören lassen will.

 


2 Gedanken zu “Brian von den Backstreet Boys kuschelt mit QAnon

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