Camila Sosa Villada – Im Park der prächtigen Schwestern

Für die Lateinamerika Nachrichten habe ich eine Rezension über „Im Park der prächtigen Schwestern“ von Camila Sosa Villada (übersetzt von Svenja Becker) geschrieben, die positiv ist, denn der Roman ist gut. Er erzählt die Geschichte von trans Prostituierten in Córdoba, Argentinien, ist sehr rau, hat aber auch zarte Momente. Doch hier möchte ich meine Rolle als Kritikerin ablegen und als Privatperson sprechen.

Was mich stört, dafür kann Sosa Villada nichts, kann ihr Buch nichts, ist allgemein: Ich bin es langsam leid, Filme und Bücher über queere Personen, vor allem trans Personen, zu sehen und lesen, die so sehr von Brutalität, Dreck und Einsamkeit handeln. Natürlich muss die Gewalt thematisiert werden, müssen wir sie uns immer wieder in Gedächtnis rufen, damit sich was ändert. Und trans Prostituierte sind wahrscheinlich die marginalisierte Gruppe, die am gefährlichsten von allen lebt; zudem ist dieses Buch recht autobiografisch, denn auch die Autorin hat als trans Prostituierte in Córdoba gearbeitet, die Ich-Erzählerin trägt sogar ihren Namen. Es ist also kein von einer cis Autorin verfasster Exploitation-Roman.

Aber ich würde gerne mehr Geschichten hören von queeren Menschen, denen es gutgeht. Bei all den Horrorstorys bekommt man leicht den Eindruck, dass trans zu sein ein schreckliches Schicksal sei, und genau das ist es, was mir Stirnrunzeln bereitet. Ich kann nicht für die trans Community sprechen, aber neben der Bedrohung, die natürlich existiert, ist trans und generell queer zu sein doch auch positiv, kann viel Glück bedeuten. Ich habe die Befürchtung, dass das nicht-queeren Menschen nicht unbedingt bewusst ist, weil sie immer nur schreckliche Geschichten vorgesetzt bekommen.

Ich will endlich mehr queere Figuren mit glücklichem Leben in Literatur und Film, die nicht immer gleich sterben oder zumindest ein elendes Leben führen (siehe etwa die „Bury Your Gays“-Trope). „Im Park der prächtigen Schwestern“ ist ein guter Roman. Aber die Lektüre erwischt mich in einer Zeit, in der ich mir eine (pop)kulturelle Weiterentwicklungen der queeren Stereotype wünsche.

Camila Sosa Villada – Im Park der prächtigen Schwestern
Aus dem Spanischen von Svenja Becker
Suhrkamp, Berlin
Januar 2021, 220 Seiten


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