Jennifer Clement – Widow Basquiat

„Night Birds was a very dark, seedy bar where … a few alcoholic men hung out all day. The bar was so dark it always felt like night in there, so it attracted people who did not like daylight. Looking back, it was the perfect place to meet Jean because he liked the night and never liked the day.”

„Basquiats Witwe“ lautete einer ihrer Spitznamen, aber natürlich hat sie einen eigenen Namen – und zu den Zeiten, als sie so genannt wurde, war Jean-Michel Basquiat noch lange nicht tot. Im Jahr 1980 zieht Suzanne Mallouk im Alter von 19 Jahren von Kanada nach New York, wo sie Basquiat kennenlernt, zu dem Zeitpunkt noch unbekannt. Bis kurz vor seinem Tod am 12. August 1988 an einer Überdosis Heroin (im mystischen Alter von 27 übrigens) werden Suzanne und Jean-Michel eine Beziehung führen, geprägt von Untreue und vielen Trennungen, von großem Drama und hohem Drogenkonsum, aber auch von einer Liebe, Zuneigung und Verständnis füreinander, die nie ganz abrissen.

In ihrem Debüt „Widow Basquiat“, erstmals im Jahr 2000 erschienen, schildert Autorin Jennifer Clement, die selbst mit Mallouk befreundet ist und Basquiat kannte, diese destruktive Liebe. Außerdem zeichnet sie ein lebendiges Bild der Underground-Kunstszene in Downtown Manhattan der achtziger Jahre, unter anderem geben sich Andy Warhol, Keith Haring und Madonna, der Mäzen, der Kollege, die zeitweise Freundin, die Ehre.

 „Widow Basquiat“ ist keine klassische (Auto-)Biografie. Das Besondere daran ist nicht nur diese intensive Liebesgeschichte, die vielen Persönlichkeiten, die das Leben von Suzanne streifen, und die Background-Storys, die wir zu einigen von Basquiats Kunstwerken erhalten, sondern auch der Aufbau: Die vielen kurzen Kapitel, ein, zwei, drei Seiten lang, folgen zwar mehr oder weniger einer Chronologie, sind aber fragmentarische Erinnerungen, elliptisch, die Stück für Stück langsam ein Gesamtbild ergeben (ähnlich wie in Machados „In The Dream House“). Bei fast jeder dieser Erinnerungen, die zunächst in dritter Person geschildert sind, schaltet sich danach Suzanne Mallouks Stimme dazu, die diese Erinnerung vertieft oder erzählt, was weiter geschah, und ihr dadurch neue Ebenen verleiht – und eine ganz eigene, berührende Emotionalität.


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